Auf Amrum - Wie Alles Angefangen Hat PDF Print E-mail
Written by Ocke Braren   
Monday, 02 February 2004 16:46

Wenn man lange genug auf Amrum gelebt hat, muss sich damit abgefunden werden in einer trostlosen Abgeschiedenheit zu leben, vor allem im Winter. Dazu kommt noch, dass Amrums Sprösslinge bis zu einem Alter von ungefähr 16 Jahren für ihre Beschäftigung komplett allein verantwortlich sind. Mit anderen Worten: der Jugend wird auf Amrum nicht im Geringsten etwas geboten. Die Gemeinden sorgen sich lediglich darum, den Tourismus-Köder Amrum so schmackhaft wie irgendwie möglich zu machen. Verständlich, denn sonst würden die meisten Kinder hier auf Amrum unmöglich aufwachsen können. Der Tourismus lässt nun mal das Geld von Übersee aufs Eiland fließen. Wer sich also von Anfang an nicht mit der Natur anfreundet oder gar etwas mit sich anzufangen weiss, ja, der wird sich Auge in Auge mit der Langeweile konfrontiert sehen. Dass so eine ungewollte Auseinandersetzung mit diesem wahrhaft mächtigen, imaginären Gegner in Windes Eile zu Ungunsten der Menschheit ausgehen kann, beweisen Suizide aus längst vergangener Zeit. Eine Zeit, wo sich... Nein, darauf möchte ich nicht weiter eingehen. Ich sage nur so viel, es war die Zeit in der die Biike-Feuer gelegt wurden, um Frischfleisch nach Amrum zu lotsen. Schiffe, die ihre neugierige Meute an Bord so auf die Insel verfrachteten. Alsbald die Zivilisierten dann den feinen Sand unter den Füssen spüren konnten und glaubten sie hätten mal wieder Neuland errungen, wurden die Fremden lauthals von Amrums desolaten Eingeborenen überwältigt, ausgenommen und schließlich mit Händen und Füssen in die gierigen, aus Inzest hervorgegangenen Leiber gestopft. Es war eine grauenvolle Zeit der Piraterie.

Ich gebe zu meine Ausschweifungen sind geringfügig übertrieben, doch so mag ich es mir durch zahlreiche Überlieferungen und Geschichten von alten Amrumern zusammengereimt haben. Könnte etwas dran sein, vielleicht. Auf jeden Fall ist die Langeweile für Amrums Jugend trügerisch. Die eine Seite lässt sie unberührt von Kriminalität, Drogen und verpesteter Stadtaerosole. Die Kehrseite, fern der modernen Welt, vermag zwar Phantasie und Improvisationsvermögen zu fördern, doch vorbei kommen Amrums Kinder nicht an einer, man sehe mir diese Formulierung nach, gewissen Isolationshaft. Das betrifft vor allen Dingen die Bildung und das sportliche Betätigungsfeld. Wer irgendwann meint, er hätte die Windmühle in Nebel als ein bedrohlich dreinschauendes Ungetüm entlarvt, das es mit aller Kraft zu bekämpfen gilt, der leidet sicherlich an einem Don-Quijote-Syndrom und sollte eine gehörige Dosis Festland verabreicht bekommen. Eine Insel-Kur ist daher strikt kontraindiziert.

Die Realschule mit 16 oder auch später hinter sich gebracht, warten entweder ausladende Lehrstellen oder das Gymnasium auf neue Wissbegierige. Den Mutigen, die einen akademischen Abschluss anstreben, ist zunächst der saure Apfel in den Weg gestellt. Dieser muss aufgegessen werden, wenn die Hochschule erreicht werden will. Angeknabbert, von denen, die sich mit niedrigerem Bildungsniveau zufrieden geben können. Lange Rede, kurzer Sinn; ich will damit sagen, dass angehende Gymnasiasten eine Überraschung erleben, wenn sie sich in der „Öömrang Skuul“ zu sehr hängen lassen, die ohnehin nicht mit ihren Anforderungen an Schüler und ihrem Niveau prahlen kann. Ich spreche aus Erfahrung. Den Apfel habe ich mittlerweile ganz gut verdaut.

 

Wir schreiben das Jahr 1999 n. Ch., eine Zeit voller Hoffnung. Es ist Winter. Eine Blüte der Kreativität und Ideen öffnet sich an jenem Tag auf der bisweilen aussichtslosen Düne im Wattenmeer, deren einzige Vorzüge ihrer wundervollen Natur anzurechnen sind. Also, es muss klar und deutlich zwischen der einzigartigen Ursprünglichkeit Amrums und der lastenden Bevölkerung, zu der ich unweigerlich gehöre, unterschieden werden. Auf die Abhängigkeit der Menschen zur Natur sei an dieser Stelle bekräftigend verwiesen. Allerdings beruht diese Beziehung keinesfalls auf Gegenseitigkeit! Um nun zur eigentlichen Thematik dieses Textes überzuleiten, führe man sich nur kurz vor Augen, dass wir Menschen, ganz besonders hier auf Amrum, an der Natur alleine keine zufriedenstellenden Beschäftigungen finden. Die Möglichkeiten der modernen Zeit erweisen sich deutlich als Sieger über menschliche Bedürfnisse und Interessen. So reichhaltig das Angebot der Natur an uns Menschen auch ist, die Zeiten, in denen wir uns in und mit ihr die Freizeit gestaltet haben, sind passé. Heute erstreckt sich vor uns eine schier endlose Schlange von wartenden Aufgaben, die gelöst und bewältigt werden wollen. Es bieten sich hier vor allem die zahlreichen Wissenschaften an. Am interessantesten sind verständlicherweise die Kommunikationswissenschaften für Amrums Jungendliche in der heutigen Zeit. Das Internet ist somit auch der Nährboden für unsere Seite geworden.

Oleg und Dima Schmidt, Domenik Kühfuß, Fin Zimmermann und meine Person schöpfen an diesem Tag aus jener Quelle des Einfallsreichtums und der Kreativität, aus der übrigens schon Albert Einstein, Robert Koch, Johann Wolfgang von Goethe und andere Meilensteine der anthropologischen Geschichte herzhaft getrunken haben sollen. Bill Gates beispielsweise hat sich bewusst dort rein fallen lassen. Nicht umsonst ist der Vater des meist genutzten Betriebssystems so wohlhabend. Joanne K. Rowling soll in einer Nacht-und-Nebel-Aktion die Quelle eingenommen und für Tage besetzt haben. Bis zum Erbrechen hat sie sich wohl daran beköstigt. Ihr literarischer Auswurf ist bereits um die ganze Welt gegangen und scheint bald jedes noch so kleine, versteckte Domizil befleckt zu haben. Wir fünf haben im Vergleich zu den Genannten lediglich genippt. Fazit.. ja, urteilt selbst!

Jetzt aber mal allen Ernstes, entstanden ist unsere Seite aus einem Clan fanatischer CS-Zocker. Bei „CS“ (Counter-Strike) handelt es sich um das heute noch begehrteste Multiplayer-Game weltweit; das neuzeitliche Pendant zu früher praktizierten Pokerrunden, nur, dass heute über 30 Leute an einem Spiel teilnehmen können und außerordentlich viel Strom und Chips konsumiert werden. Mit einer trüben Glühbirne über der Tafel, die mit aller Kraft versucht den Zigarettendunst zu durchdringen, keinesfalls zu vergleichen. Bei LAN-Parties (LAN – Local Area Network), wo sogar bis zu hundert solcher geselligen Runden geöffnet werden können oder im Internet, also online, wird es gespielt. Gut gegen böse, wobei sich nicht immer entnehmen lässt, was jetzt was ist. Vergnügungswissenschaftlich gehört es zum Genre „Taktik-Shooter“. Teamgeist ist also gefragt; folglich entstehen Clans. Bei LAN- oder Internet-Partien werden diese durch Abkürzungen in eckigen Klammern gekennzeichnet. [TADC] hat demnach einen Spieler immer als Mitglied unseres Clans ausgewiesen. „TADC“ kann man auf dreierlei Art und Weise ausführen: The Aggressive Dynamic Clan, The Amrums Dynamic Clan oder gar The Amrums Dune Clan. Natürlich sind hier der Kreativität keine Grenzen gesetzt, was die Wortwahl angeht. Angefangen haben wir mit für Suchmaschinen unauffindbaren Domains, wie beispielsweise „tadc.net“ oder „tadc.tadc.net“. Dementsprechend fragwürdig sind auch die wechselnden Designs der Seiten gewesen. Irgendwann sind wir dann auf die Domain auf-amrum.de gestoßen, die nicht sehr auf einen Spieler-Clan schließen lässt. Das haben wir letztendlich auch erkannt und einer Mutation zu einer Lifestyle-Seite über Amrum auf die Sprünge geholfen.

Was daraus hervorgegangen ist, scheint auf den ersten Blick nicht ganz zeitgemäß. Doch diese Seite soll eher von schlichtem Design und Rationalität geprägt sein. Informationen und Neuigkeiten sollen den Besuchern auf dieser Plattform präsentiert werden. So etwas ist durchaus mit Schwierigkeiten verbunden, wenn erkannt wird, dass die öffentliche Presse vielleicht einmal in zehn Jahren den Riecher über die Perle der Nordsee hält. Einer ab und an auftretenden Stagnation informativen Zuflusses sei daher bitte Verständnis gewährt. Wir geben unser Bestes. Es sind zur Zeit nur drei Personen, die auf-amrum.de zu dem machen was es ist: Oleg Schmidt, der HTML-Webmaster, Dominic Kühfuß der Paparazzo mit den unangenehmen Schnappschüssen aus der Hüfte und ich, der häufig an den Texten zu knabbern hat.

Viele Seiten im Internet sind derart aufwendig konstruiert, dass es ohne geeigneten Anschluss, wie es DSL ist, mit sehr viel Zeit und Geduld verbunden ist diese aufzurufen. „Flash-Animationen“ sind das Türschild heutiger Internetseiten. Damit endlich der Inhalt einer Seite zum Vorschein kommt, muss man das leidige, teilweise ganz ansehnliche Schauspiel über sich ergehen lassen. Der erfolgreichen und zeitlich verträglichen Darstellung ist aber ein enormer Datendurchsatz vorausgesetzt. Ja, alles hat seine Nachteile, wobei mir immer noch nicht ganz klar ist, was es denn ist, womit sich jene Animationen schmücken können. Einen Augenschmaus kann ich mir auch verschaffen, indem ich das Fenster aufmache, meinen Schädel hinaushalte und die Augen gen Horizont blicken lasse; wiederum ein Beispiel für Amrums privilegierte Bewohner. 

 

 

Last Updated on Sunday, 16 November 2008 20:44
 

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